Lagebericht
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8. Forschung und Entwicklung

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung
Innovationen sind der wesentliche Treiber für das zukünftige Wachstum unseres Unternehmens. Gerade in den Bereichen Gesundheit, Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung und effizienter Nutzung von Ressourcen bestehen viele Herausforderungen, die sich nur durch innovative Lösungen bewältigen lassen.
Das Erfinderunternehmen Bayer setzt dafür auf Forschung und Entwicklung. Im Jahr 2011 wurden 2.932 Mio € (Vorjahr: 3.053 Mio €) für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Dies entspricht einer Forschungsquote von 8,0 % (Vorjahr: 8,7 %) bezogen auf den Umsatz. Weltweit arbeiten 13.300 Mitarbeiter in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen.
Wir stärken unsere internen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten durch ein internationales Netzwerk aus Kooperationen und Allianzen mit führenden Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Partnerfirmen. Dieses Netzwerk bauen wir kontinuierlich weiter aus, unter anderem durch Innovationszentren („Science Hubs“) in Wachstumsregionen wie z. B. Asien.
Um unsere Position im globalen Wettbewerb auszubauen, konzentrieren wir unsere Ressourcen und fokussieren uns auch innerhalb unserer Geschäftsfelder auf ausgewählte Bereiche mit hohem Bedarf an Innovationen – und damit großen Wachstumschancen. Diese Bündelung von Know-how versetzt uns in die Lage, neue Geschäftsideen zügig in Produkterfolge umzusetzen.
Mit einer starken und effizienten Forschung und Entwicklung, einem internationalen Netzwerk von Partnern und einem Fokus auf Wachstumsgebiete und -märkte schaffen wir die Grundlage für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens. Dabei stehen die Bedürfnisse unserer Kunden stets im Zentrum unserer Aktivitäten – ganz im Sinne unserer Mission „Bayer: Science For A Better Life“.
Forschungs- und Entwicklungskostenanteil der Segmente

HealthCare

In die Forschung und Entwicklung (F&E) der beiden Segmente Pharma und Consumer Health haben wir im Jahr 2011 1.948 Mio € (Vorjahr: 2.066 Mio €) investiert. Dies entspricht 66,4 % der konzernweiten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Für HealthCare selbst lag die Forschungskostenquote bei 11,3 % (Vorjahr: 12,2 %) vom Umsatz. Im Bereich der Forschung und Entwicklung des Teilkonzerns HealthCare waren zum Abschlussstichtag rund 7.700 Mitarbeiter beschäftigt.
Im Segment Pharma betrugen unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung 1.556 Mio € (Vorjahr: 1.684 Mio €), dies entspricht einer Forschungskostenquote von 15,6 % (Vorjahr: 16,9 %). Der Rückgang der Entwicklungskosten ist im Wesentlichen auf den erfolgreichen Abschluss der meisten Phase-III-Studien für unseren Gerinnungshemmer Xarelto™ zurückzuführen. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung unterstreichen unseren Fokus auf Wachstum durch Innovationen. Bei der Wirkstofffindung im Segment Pharma konzentrieren wir uns auf die Bereiche Kardiologie und Onkologie sowie auf gynäkologische Therapien und Hämatologie. Hinzu kommen entzündliche Vorgänge und Augenheilkunde. Zudem stärken wir unsere etablierten Produkte durch Lebenszyklus-Management-Aktivitäten z. B. mit dem Fokus auf innovative Darreichungsformen im Bereich der Kontrazeption. Die Forschungsaktivitäten und -kapazitäten sind an den drei Hauptstandorten Berlin und Wuppertal (Deutschland) sowie Berkeley (USA) gebündelt. An den Standorten Berlin und Wuppertal konzentrieren wir uns im Wesentlichen darauf, neue Wirkstoffe zu finden, zu optimieren und zu entwickeln. Außerdem werden hier Untersuchungen zum Arzneimittelstoffwechsel, zur Pharmakokinetik, Toxikologie und klinischen Pharmakologie unternommen. Berkeley ist ein wichtiges Forschungs- und Entwicklungszentrum mit Fokus auf Biologika für die Hämatologie, wie z. B. Kogenate™. Weitere Forschungszentren befinden sich unter anderem in Peking (China).
Im Berichtsjahr haben wir unsere strategische Allianz mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg um weitere drei Jahre verlängert. Ziel der Partnerschaft ist es, gemeinsam neue Ansätze für Arzneimittel gegen Krebs zu entwickeln. Im Juni 2011 begründeten wir eine Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Institut (LBI) für Lungengefäßforschung, die wir im November 2011 durch eine Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten LBI für Translationale Herzinsuffizienz erweiterten. Beide Institute haben ihren Sitz an der medizinischen Universität in Graz, Österreich. Unsere Forschungsaktivitäten in Singapur, in deren Zusammenhang wir über unseren Vertragspartner Economic Development Board (EDB) Singapore mit verschiedenen Institutionen wie der Universität und der Universitätsklinik kooperieren, um unsere Arzneimittelkandidaten speziell auf den asiatischen (Krebs-) Patienten abzustimmen, führten wir im Berichtszeitraum fort.
Zur Entwicklung neuer Wirkstoffe für Erkrankungen mit hohem medizinischen Bedarf haben wir im Verlauf des Jahres 2011 mit mehreren Arzneimittelkandidaten aus unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline klinische Studien durchgeführt. Zudem stellten wir für einige dieser Arzneimittelkandidaten nach Abschluss der erforderlichen Studien Anträge auf Zulassung bzw. auf Erweiterung der bestehenden Zulassung bei einer oder mehreren Behörden.
Die wichtigsten noch im Zulassungsprozess befindlichen Arzneimittelkandidaten sind:
Einreichungen[Tabelle 3.30]
 Indikation
EYLEA™ (VEGF Trap-Eye)Feuchte altersabhängige Makula-Degeneration
LCS -12 (ULD LNG
Contraceptive System)
EU, USA, Empfängnisverhütung, Wirkdauer 3 Jahre
Natazia™ (E2V/DNG)USA, Behandlung übermäßig starker Regelblutungen ohne organische Ursachen
Xarelto™Sekundärprophylaxe des akuten Koronarsyndroms
YAZ™ Flex EU, Orale Empfängnisverhütung mit flexiblen Einnahme-Regimen
In der nachfolgenden Tabelle sind unsere wichtigsten Arzneimittelkandidaten der klinischen Prüfungsphasen III und II dargestellt:
Forschungs- und Entwicklungsprojekte (Phase III und II)*[Tabelle 3.31]
 IndikationStatus
Alemtuzumab**Multiple SklerosePhase III
Alpharadin

Behandlung von Knochenmetastasen bei
hormonresistentem Prostatakrebs
Phase III

ATX-101Auflösung von submentalem FettPhase III
FC Patch lowEmpfängnisverhütungPhase III
Florbetaben  Alzheimer-PET-Diagnostik Phase III
Gadovist™MagnetresonanztomographiePhase III
LCS-16 (ULD LNG Contraceptive System)Empfängnisverhütung, Wirkdauer 5 JahrePhase III
Nexavar™BrustkrebsPhase III
Nexavar™Leberkrebs, adjuvante Therapie Phase III
Nexavar™Nicht kleinzelliger LungenkrebsPhase III
Nexavar™Nierenkrebs, adjuvante Therapie Phase III
Nexavar™SchilddrüsenkrebsPhase III
Regorafenib (DAST Inhibitor)DickdarmkrebsPhase III
Regorafenib (DAST Inhibitor)

Behandlung metastasierter oder inoperabler
Stromatumore im Gastrointestinalbereich
Phase III

Riociguat (sGC Stimulator)Pulmonale Hypertonie (CTEPH)Phase III
Riociguat (sGC Stimulator)Pulmonale Hypertonie (PAH)Phase III
TedizolidKomplizierte Haut- und LungeninfektionenPhase III
Vaginorm™Vulvovaginale Atrophie Phase III
VEGF Trap-EyeDiabetisches Makula-ÖdemPhase III
VEGF Trap-Eye

Gefäßneubildungen der Netzhaut nach
pathologischer Myopie
Phase III

VEGF Trap-EyeVerschluss der zentralen NetzhautvenePhase III
Xarelto™

Behandlung und Sekundärprophylaxe von venösen ThromboembolienPhase III

Alpharadin

Behandlung von Knochenmetastasen bei KrebsPhase II

Amikacin Inhale LungeninfektionPhase II
Ciprofloxacin InhaleLungeninfektionPhase II
MEK-InhibitorKrebsPhase II
MR Antagonist (BAY94-8862)Chronische HerzinsuffizienzPhase II
Nexavar™Weitere IndikationenPhase II
Regorafenib (DAST Inhibitor)KrebsPhase II
Riociguat (sGC Stimulator)Pulmonale Hypertonie Phase II

* Stand: 14. Februar 2012

** Co-Promotion

PET = Positronen-Emissionstomographie; CTEPH = chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie; PAH = pulmonale arterielle Hypertonie

Das Wesen der Arzneimittelforschung und -entwicklung bedingt, dass nicht alle Wirkstoffe das jeweils festgelegte Projektziel erreichen werden.

Es besteht die Möglichkeit, dass einige oder alle der hier aufgeführten Projekte aufgrund wissenschaftlicher und/oder wirtschaftlicher Erwägungen abgebrochen werden und somit nicht zu einem marktfähigen Produkt führen. Zudem ist es möglich, dass die für diese Wirkstoffe erforderliche Zulassung als Arzneimittel durch die Food and Drug Administration (FDA), die European Medicines Agency (EMA) oder eine andere Zulassungsbehörde nicht erteilt wird.

Wir überprüfen unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline regelmäßig, um die aussichtsreichsten Pharma-Projekte mit Priorität voranzutreiben.
Xarelto™ (Wirkstoff: Rivaroxaban) wird seit 2008 zur Prophylaxe von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach elektiven (geplanten) Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operationen vermarktet. Xarelto™ ist in mehr als 110 Ländern weltweit zugelassen und wird außerhalb der USA von Bayer HealthCare in dieser Indikation vermarktet. Am 19. Dezember 2011 wurde Xarelto™ zudem in der EU für die Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern und für die Behandlung von tiefen Venenthrombosen (DVT) sowie die Prävention wiederkehrender DVT und Lungenembolien nach einer akuten tiefen Venenthrombose bei Erwachsenen zugelassen.
In den USA, wo Xarelto™ seit Juli 2011 für die Prophylaxe von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach elektiven (geplanten) Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operationen zugelassen ist, besitzt Janssen Pharmaceuticals, Inc., eine Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson, die Vermarktungsrechte für Xarelto™. Bayer HealthCare unterstützt den Vertrieb von Janssen Pharmaceuticals, Inc. in ausgewählten Krankenhäusern und Spezialmärkten in den USA. Am 4. November 2011 hat Xarelto™ in den USA die Zulassung in einer weiteren Indikation erhalten: der Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern.
In 2011 wurden folgende Studienergebnisse von Rivaroxaban präsentiert: In einer im April 2011 vorgestellten Phase-III-Studie (MAGELLAN-Studie) zur Prophylaxe venöser Thromboembolien bei hospitalisierten Patienten mit akuter internistischer Erkrankung erreichte Rivaroxaban die primären Wirksamkeitsendpunkte. In der ersten Auswertung konnte jedoch kein konsistent positives Nutzen-Risiko-Verhältnis in der heterogenen Studienpopulation gezeigt werden. Im Mai 2011 wurde in der klinischen Phase-III-Studie ROCKET AF durch eine Subgruppenanalyse die hohe Effektivität von Rivaroxaban in der Schlaganfallprävention bei Patienten mit Vorhofflimmern, die bereits einen Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen des Gehirns mit der Folge neurologischer Ausfallerscheinungen erlitten haben, bestätigt. Im November 2011 erreichte die Phase-III-Studie ATLAS-ACS 2-TIMI 51 zur Sekundärprävention bei akutem Koronarsyndrom den primären Wirksamkeitsendpunkt der Senkung von kardiovaskulärer Sterblichkeit, Herzinfarkt und Schlaganfall im Vergleich zur plättchenaggregationshemmenden Medikation allein.
In der Indikation Sekundärprävention nach akutem Koronarsyndrom stellten wir im Dezember 2011 den Zulassungsantrag für Xarelto™ bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency). Der Zulassungsantrag bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA wurde durch unseren Kooperationspartner Janssen Research & Development, L.L.C. gestellt. Die FDA hat aufgrund der Schwere der Erkrankung und des potenziellen klinischen Vorteils die Möglichkeit eines vereinfachten Verfahrens („Fast Track“) eingeräumt.
Riociguat (sGC Stimulator) ist das erste Präparat einer neuen Klasse von gefäßerweiternden Substanzen – den Stimulatoren der löslichen Guanylatcyclase (sGC). Der als Tablette einzunehmende Wirkstoff wird derzeit als neuer Therapieansatz bei verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks untersucht. Im Mai 2011 stellten wir vielversprechende Ergebnisse einer Phase-II-Studie mit Riociguat bei Lungenhochdruck in Verbindung mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) vor.
Mit Regorafenib haben wir im April 2010 ein Phase-III-Programm zur Behandlung von fortgeschrittenem Dickdarmkrebs gestartet. Regorafenib ist ein neuartiger, oral wirksamer Multi-Kinase-Inhibitor, der verschiedene Signalwege hemmt, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. In die Studie wurden Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom aufgenommen, deren Erkrankung trotz vorheriger Standardbehandlungen weiter fortschritt. Die Studie erzielte positive Ergebnisse und erreichte den primären Endpunkt – die statistisch signifikante Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit. Dieses Ergebnis wurde im Rahmen einer planmäßigen Zwischenanalyse der vorliegenden Daten aus der Studie durch ein unabhängiges Daten-Monitoring-Komitee (DMC) bestätigt. Auf Basis der Empfehlung des DMC wurde die sogenannte CORRECT-Studie (Patients with metastatic colorectal cancer treated with regorafenib or placebo after failure of standard therapy) vorzeitig beendet, um die Daten zur Einreichung vorzubereiten. Bereits im Mai 2011 entschied die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA, Regorafenib zur Therapie metastasierter und/oder nicht operabler Stromatumore im Gastrointestinalbereich in einem vereinfachten Verfahren („Fast Track“) zu prüfen. Außerdem erhielt das Entwicklungsprodukt die Einstufung als Orphan Drug, die dem Arzneimittel unter anderem über einen Zeitraum von sieben Jahren den exklusiven Zugang zum US-Markt garantiert, sofern der Hersteller bestimmte Vorgaben der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA einhält. Wir haben unsere Kooperation mit Onyx Pharmaceuticals, Inc., USA, im Berichtszeitraum umstrukturiert und auf die gemeinsame Entwicklung von Regorafenib ausgedehnt, wobei wir die Entscheidungsautorität halten und Onyx Lizenzgebühren auf zukünftige Umsätze zahlen. In den USA werden wir die Onyx-Vertriebsorganisation gemeinsam mit unserer eigenen nutzen.
Auf dem Gebiet der Frauengesundheit forschen wir im Bereich gynäkologischer Therapien sowie nach weiteren Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung. Unser Verhütungspflaster (FC Patch low) befindet sich derzeit in Phase III der klinischen Entwicklung. Es soll das einzige transparente sowie das kleinste und am niedrigsten dosierte Verhütungspflaster auf dem Markt werden. Im Dezember 2011 wurde die neue Hormonspirale LCS-12 in den USA und Europa zur Zulassung eingereicht. Diese Homonspirale ist kleiner als Mirena™, ist geringer dosiert und hat eine Wirkdauer von bis zu drei Jahren. Eine weitere Hormonspirale (LCS-16) mit einer Wirkdauer von bis zu fünf Jahren befindet sich noch in der klinischen Phase III.
Wir ergänzen unser Entwicklungsprodukt-Portfolio aus eigener Forschung und Entwicklung kontinuierlich durch gezielte Einlizenzierungen.
Die bereits im Jahr 2010 gestartete strategische Allianz mit OncoMed Pharmaceuticals, Inc., USA, zur Erforschung, Entwicklung und Vermarktung neuartiger Therapeutika gegen Krebsstammzellen wurde im Berichtszeitraum weiterverfolgt.
Ebenso wurde die seit 2010 bestehende Zusammenarbeit mit Prometheus Laboratories Inc., USA, zur Realisierung neuartiger Methoden der personalisierten Medizin fortgeführt.
Alpharadin, das Krebsmedikament aus unserer gemeinsamen Entwicklung mit Algeta ASA, Norwegen, zeigte in einer Phase-III-Studie eine signifikante Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit von Patienten mit hormonresistentem Prostatakrebs und Knochenmetastasen. Mit den positiven Wirksamkeitsdaten wurde der primäre Studienendpunkt erreicht und die Studie konnte im Juni 2011 vorzeitig beendet werden. Die Einreichung des Zulassungsantrags für Alpharadin ist in Vorbereitung. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat im August 2011 entschieden, Alpharadin in einem vereinfachten Verfahren („Fast Track“) zu prüfen.
In Kooperation mit der Genzyme Corp., USA, entwickeln wir den humanisierten monoklonalen Antikörper Alemtuzumab. Im Berichtszeitraum wurden zwei Phase-III-Studien, in denen Alemtuzumab in der Indikation Multiple Sklerose (MS) getestet wurde, mit positiven Ergebnissen abgeschlossen. Genzyme beabsichtigt, im 2. Quartal 2012 Zulassungsanträge in den USA und der EU unter dem Handelsnamen LEMTRADA™ zu stellen. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat bereits entschieden, Alemtuzumab (LEMTRADA™) in einem vereinfachten Verfahren („Fast Track“) zu prüfen.
VEGF Trap-Eye ist unser gemeinsames Entwicklungsprojekt mit Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA. VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein natürlicher Wachstumsfaktor, der die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregt. VEGF Trap-Eye blockiert diesen Wachstumsfaktor spezifisch und mit hoher Wirksamkeit, wodurch die abnorme Bildung neuer Blutgefäße, die zu Blutungen neigen, verhindert wird. Das Präparat wird lokal ins Auge appliziert. Unser Kooperationspartner Regeneron Pharmaceuticals hat im November 2011 von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für VEGF Trap-Eye mit dem Markennamen EYLEA™ zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) erhalten. Der Antrag auf Zulassung in dieser Indikation wurde darüber hinaus im Juni 2011 bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA sowie beim Gesundheitsministerium in Japan eingereicht. Nach erfolgter Zulassung wird Bayer das Präparat außerhalb der USA vermarkten. In den USA hält Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA, die alleinigen Rechte an VEGF Trap-Eye. VEGF Trap-Eye hat noch für eine weitere Indikation in der Phase III der klinischen Entwicklung positive Ergebnisse erzielt: in der Behandlung des Zentralvenen-Verschlusses der Netzhaut (CRVO), auch dies eine häufige Erblindungsursache. Außerdem werden zwei Phase-III-Studien zur Behandlung des diabetischen Makula-Ödems (DME) durchgeführt.
Im Juli 2011 vereinbarten wir mit Trius Therapeutics, Inc., USA, das Trius-Antibiotikum Tedizolidphosphat (Tedizolid) gemeinsam zu entwickeln und zu vermarkten. Der entsprechende Vertrag gewährt uns die Exklusivrechte für die Märkte in Asien – außer Nord- und Südkorea – sowie allen Ländern in Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Gemäß der Vereinbarung werden wir Tedizolid, das sich in der Phase III der klinischen Entwicklung in den USA und Europa befindet, zur Behandlung verschiedener Infektionskrankheiten wie etwa akuter bakterieller Haut- und Hautstruktur-Infektionen sowie der durch gram-positive Bakterien hervorgerufenen Lungenentzündung entwickeln. Trius behält die vollständigen Entwicklungs- und Vermarktungsrechte in den USA, Kanada und der Europäischen Union.
Um das Spektrum möglicher Anwendungsbereiche von bereits vermarkteten Produkten zu erweitern, investieren wir in ein kontinuierliches Lebenszyklus-Management. Wir wollen damit neue Indikationen identifizieren und verbesserte Darreichungsformen entwickeln. So wurde die Zusatzindikation zur Behandlung von starken und/oder verlängerten Regelblutungen für unser orales Verhütungsmittel Qlaira™ in Europa in 2010 zugelassen, in den USA (Handelsname Natazia™) lief das Zulassungsverfahren im Berichtszeitraum noch. Qlaira™/Natazia™ ist das erste Präparat einer neuen Klasse von oralen Verhütungsmitteln, deren Östrogenbestandteil wie das körpereigene Estradiol wirkt. Ein weiteres Beispiel ist unser Krebsmedikament Nexavar™, das wir zusammen mit Onyx Pharmaceuticals, Inc., USA, weiterentwickeln. Der vielversprechende Wirkstoff Sorafenib, der sowohl die Krebszellen als auch das Gefäßsystem des Tumors angreift, ist seit 2005 in der Indikation fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom und seit 2007 in der Indikation Leberzellkarzinom zugelassen. Um das Medikament über diese beiden bestehenden Therapiebereiche hinaus weiterzuentwickeln, besteht ein breit angelegtes Lebenszyklus-Management-Programm, in welchem wir derzeit Phase-III-Zulassungsstudien im Nierenzellkarzinom als Adjuvans nach kurativer Tumorresektion, beim Leberzellkarzinom ebenfalls als Adjuvans nach kurativer Tumorentfernung sowie in Kombination mit anderen systemisch wirksamen Krebsmedikamenten prüfen. Darüber hinaus führen wir Phase-III-Zulassungsstudien in den Tumorarten nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, Schilddrüsenkrebs und Brustkrebs durch. Weitere Tumorindikationen befinden sich in der Prüfung.
Im Segment Consumer Health haben wir unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auf 392 Mio € (Vorjahr: 382 Mio €) gesteigert, dies entspricht einer Forschungskostenquote von 5,4 % (Vorjahr: 5,5 %).
Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Consumer Care konzentrieren sich in den Zentren für Produktentwicklung in Morristown (USA) und Gaillard (Frankreich) darauf, rezeptfreie Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung sowohl bestehender als auch neuer Marken durch die Umsetzung produktbezogener und klinischer Entwicklungsstrategien. Diese bieten die Möglichkeit, neue Technologien zu nutzen, die Indikationen für bestehende Arzneimittel zu erweitern und die Neueinstufung von bislang verschreibungspflichtigen Medikamenten als rezeptfreie Produkte erfolgreich umzusetzen. Im Jahr 2011 konnte eine Reihe neuer Produktlinienerweiterungen in verschiedenen Märkten eingeführt werden. Dazu zählen z. B. in den USA Bayer™ Advanced Aspirin mit einer zum Patent angemeldeten Technologie, die doppelt so rasche Schmerzlinderung wie unsere klassische Aspirin™-Tablette ermöglicht, sowie Citracal™ Slow Release 1200 mit kontinuierlicher Freisetzung von Kalzium und Vitamin D3. Mit einer Einzeldosis am Tag ermöglicht diese innovative Formulierung eine kontinuierliche und damit effiziente Aufnahme der Inhaltsstoffe. Zu weiteren Neueinführungen zählen Alka-Seltzer Plus™ Allergy sowie Severe Sinus Congestion Allergy and Cough in den USA.
In der Division Medical Care forschen wir insbesondere auf den Gebieten der Blutzuckermessung sowie an der Weiterentwicklung medizinischer Geräte, die in der Diagnose und Therapie diverser Erkrankungen eingesetzt werden. In unseren vier US-amerikanischen Forschungs- und Entwicklungsstandorten im Bereich Diabetes Care, von denen der größte in Tarrytown liegt, arbeiten wir daran, unsere Produktlinien zu stärken und weitere attraktive Segmente des Diabetesmarkts für uns zu erschließen. Im Geschäftsjahr 2011 haben wir wieder verschiedene innovative Produkte in wichtigen Ländern auf den Markt gebracht, die den individuellen Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes gerecht werden. Dazu zählt beispielsweise Contour™ USB mit einer integrierten Diabetes-Management-Software und möglicher Direktverbindung (plug & play) mit dem PC, außerdem die Diabetes-Management-Software Glucofacts™ Deluxe und A1CNow™ SelfCheck, mit deren Hilfe der Langzeit-Blutzuckerwert (A1c) bestimmt wird.
Zur Stärkung unserer Position unter den führenden Unternehmen im Bereich innovativer, hochwertiger diagnostischer Bildgebung und interventioneller Verfahren führten wir die Geschäftseinheiten „Diagnostic Imaging“, vorher Teil des Segments Pharma, und unser Medizingerätegeschäft in einer neuen Einheit „Radiology and Interventional“ zusammen. Im Bereich unseres Medizingerätegeschäfts fokussieren wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf die kontinuierliche Verbesserung der Kontrastmittel-Injektionsgeräte sowie auf Systeme zur Entfernung von Thromben aus Blutgefäßen und für andere Gefäßeingriffe. Damit wollen wir unsere Führungsposition – insbesondere in den USA – weiter ausbauen. Darüber hinaus wollen wir z. B. medizinische Datenmanagementsysteme für Kontrastmittel-Injektoren sowie wirkstoffbeschichtete Ballonkatheter zur Behandlung von Gefäßerkrankungen entwickeln. Unsere entsprechenden Forschungs- und Entwicklungszentren befinden sich in der Nähe von Pittsburgh und in Minneapolis (USA) sowie in Sydney (Australien). Das Forschungszentrum der diagnostischen Bildgebung liegt in Berlin (Deutschland). Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA erteilte im März 2011 die Marktzulassung für Gadavist™ zum Einsatz als Kontrastmittel für die Magnetresonanztomographie des Zentralnervensystems. Gadavist™ ist außerhalb der USA unter dem Handelsnamen Gadovist™ bekannt und wird weltweit in über 60 Ländern vermarktet.
Um unser Medizingerätegeschäft im Bereich der interventionellen Kardiologie zu verstärken, haben wir im September 2011 das Unternehmen Pathway Medical Technologies, Inc., mit Sitz in den USA erworben. Das Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von Produkten zur mechanischen Entfernung von Ablagerungen in den Arterien. Dies geschieht durch die JETSTREAM™-Geräte von Pathway minimal-invasiv und ohne gesundes Gewebe zu verletzen.
Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Animal Health am Standort Monheim (Deutschland) konzentrieren sich auf die Bereiche Antibiotika und Anti-Parasitika sowie Wirkstoffe zur Behandlung nicht-infektiöser Krankheiten bei Tieren. Zum 1. März 2011 wurde die Forschung von Animal Health in den BHC-Bereich Global Drug Discovery integriert. Der Vorteil der neuen Organisation besteht in der gemeinsamen Nutzung der Technologie-Plattformen sowie der Zusammenfassung von Know-how und Erfahrung bei der Wirkstofffindung. Parallel setzen wir die Kooperation mit unseren CropScience- Bereichen, insbesondere der Parasitologie, fort und nutzen damit unseren Vorteil als Unternehmen mit verschiedenen LifeScience-Bereichen. Neben der Entwicklung neuer Produkte gegen bakterielle Erkrankungen und Parasiten bei Haus- und Nutztieren bauen wir das Produktportfolio im Bereich chronischer Nierenerkrankungen bei Katzen weiter aus. Darüber hinaus wurden verschiedene Produktlinienerweiterungen in unterschiedlichen Märkten zugelassen, so z. B. in Europa verschiedene Produkte wie Veraflox™ (Wirkstoff Pradofloxacin) und Procox™ (Wirkstoffe Emodepside und Toltrazuril). Veraflox™ ist das erste Fluorchinolon-Antibiotikum einer neuen Generation zur Behandlung von bakteriellen Infektionen bei Hunden und Katzen. Procox™ ist das erste Kombinationspräparat gegen Würmer und Kokzidien bei Hunden. Zudem erfolgte die Zulassung von Baytril™ 1 Inject zur antibiotischen Behandlung bei Nutztieren (z. B. Schweinen).

CropScience

Mit Forschungs- und Entwicklungskosten in Höhe von 723 Mio € (Vorjahr: 722 Mio €) entfielen 24,7 % der Aufwendungen des Bayer-Konzerns für Forschung und Entwicklung im Jahr 2011 auf CropScience. Dies entspricht einer Forschungsquote von 10,0 % des erzielten Umsatzes des Teilkonzerns.
CropScience verfügt über ein weltweites Netz von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, in denen rund 4.300 Mitarbeiter tätig sind. Unsere größten Standorte zur Erforschung und Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln sind Monheim und Frankfurt a. M. (Deutschland) sowie Lyon (Frankreich). In Gent (Belgien), Haelen (Niederlande) sowie Morrisville (USA) befinden sich unsere bedeutendsten Forschungszentren im Bereich BioScience, der sich auf die Saatguttechnologie und -züchtung konzentriert.
Während die Forschungstätigkeiten auf einige zentrale Standorte gebündelt sind, finden die Entwicklungsaktivitäten sowie die Saatgutzüchtung sowohl in zentralen Einrichtungen als auch in zahlreichen Feldversuchsstationen weltweit statt. Dies gewährleistet die Prüfung der zukünftigen Wirkstoffe und Sorten gemäß den spezifischen regionalen Erfordernissen.
Um der Entwicklung der globalen Märkte in der Zukunft noch besser Rechnung tragen zu können, richtet CropScience seine Forschungs- und Entwicklungsaktivit��ten neu aus. So wollen wir unsere Aktivitäten verstärkt auf den Geschäftsbereich BioScience mit seinen Saatgut- und Pflanzeneigenschaften sowie auf neue Wachstumsbereiche wie Pflanzengesundheit und Stresstoleranz in der Agrochemie-Forschung konzentrieren. Wir planen, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) im Geschäftsbereich BioScience von 2010 bis zum Jahr 2015 zu verdoppeln (2010: rund 200 Mio €). Das gesamte F&E-Budget von CropScience soll in diesem Zeitraum um rund 20 % auf mehr als 850 Mio € steigen.
Unser Ziel ist es, unseren Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufeinander abgestimmte Lösungen anzubieten. Daher arbeiten unsere Wissenschaftler aus den Bereichen Agrarchemie und Saatguttechnologie im Rahmen eines integrierten Forschungsansatzes zunehmend enger zusammen, um die Fachkompetenzen aus der chemischen und biologischen (inklusive genetischen) Forschung und Feldentwicklung optimal zu bündeln und auf unsere langfristigen Forschungsziele und Geschäftsstrategien in den einzelnen Anbaukulturen auszurichten.
Im Bereich Crop Protection erforschen und entwickeln wir innovative, sichere und nachhaltige Produkte für den Einsatz als Insektizide, Fungizide, Herbizide und Saatgutbehandlungsmittel in der Landwirtschaft. Darüber hinaus arbeiten wir indikationsübergreifend in neuen zukunftsweisenden Forschungsprojekten, beispielsweise auf den Gebieten Pflanzengesundheit und Stresstoleranz. Hierbei stehen uns zusätzlich zur klassischen Chemie, Biologie und Biochemie moderne Technologien wie genetische Analysen, Hochdurchsatz-Screening und Bioinformatik für die Identifizierung neuer chemischer Leitstrukturen zur Verfügung. Kooperationen mit externen Partnern ergänzen unsere eigenen Aktivitäten.
Wir erweitern den Einsatzbereich unserer Wirkstoffe durch neue Mischungen oder die Entwicklung innovativer Formulierungen für bereits vermarktete Produkte, um deren Anwendbarkeit auf andere Kulturpflanzen zu ermöglichen oder um deren Handhabung zu verbessern.
Die Wirkstoffpipeline von Crop Protection enthält derzeit sieben Entwicklungsprojekte; davon sind fünf Projekte in der fortgeschrittenen Entwicklung und zwei Projekte in einem früheren Entwicklungsstadium. Rund 30 weitere Projekte befinden sich in der Forschungsphase.
Im Jahr 2011 haben wir erfolgreich mit der Vermarktung unserer neuen Getreidefungizidfamilie Xpro™ (Bixafen) begonnen. Diese hat einen ertragsteigernden Effekt aufgrund ihrer positiven Auswirkungen auf die Pflanzenphysiologie. Die Xpro™-Technologie ist speziell für die Blattanwendung gegen Blattdürre (Septoria tritici) und Braunrost (Puccinia recondita) entwickelt worden. Als Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe eignet sich Xpro™ sehr gut als Baustein im Resistenzmanagement.
Erstmalig vermarkteten wir auch Alion™ (Indaziflam), ein neues Alkylazin-Herbizid. Das Produkt zeichnet sich durch seine lang anhaltende Wirkungsdauer aus und erfasst ein breites Spektrum schwer bekämpfbarer Ungräser und Unkräuter. Alion™ ist für den Einsatz in landwirtschaftlichen Spezialkulturen, beispielsweise im Obst- und Weinbau, vorgesehen.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 stehen, die erfolgreiche Registrierung vorausgesetzt, vier weitere vielversprechende neue Produkte zur Markteinführung an:
Geplante Markteinführung[Tabelle 3.32]
Produkt (Wirkstoff)IndikationGeplante
Marktein-
führung
Luna™ (Fluopyram)Fungizid2012
Emesto™, Evergol™ (Penflufen)Fungizid zur Saatgutbehandlung2012/2013
Sivanto™ (Flupyradifurone)Insektizid2014/2015
N. N. (Triafamone)Herbizid2015
Luna™ (Fluopyram) wurde zur effektiven Bekämpfung von verschiedenen hartnäckigen Pflanzenkrankheiten entwickelt, die durch Pilzerreger hervorgerufen werden. Luna™ soll weltweit in der Blattapplikation und Saatgutbehandlung in mehr als 70 Kulturen zum Einsatz kommen. Wichtige zusätzliche Vorteile sind die verbesserte Lagerfähigkeit und die längere Haltbarkeit der Erntegüter.
Emesto™ und Evergol™ (Penflufen) sind neue Fungizide zur Saatgutbehandlung in vielen unterschiedlichen Kulturen. Die Emesto™-Produktfamilie zeichnet sich durch eine herausragende Wirkung gegen die Pilzgattung Rhizoctonia aus und verbessert die Qualität und den Ertrag von Kartoffeln. Der Einsatz von Evergol™ in Raps/Canola, Sojabohnen, Weizen, Reis, Mais und Baumwolle trägt zur Vitalität der jungen Pflanzen bei und verbessert damit deren Ertragsgrundlagen.
Sivanto™ (Flupyradifurone) wirkt effizient gegen saugende Insekten wie Blattläuse, Zikaden und Weiße Fliegen in Obst und Gemüse sowie in Ackerbaukulturen.
Das neue Reisherbizid Triafamone dient der Kontrolle von verschiedenen Unkräutern, einschließlich Hirse- und Gräser-Arten. Es kann auch präventiv angewendet werden.
Im Bereich BioScience forschen wir an der Optimierung von Pflanzeneigenschaften und entwickeln neue Sorten in unseren bisherigen Kernkulturen Baumwolle, Raps und Reis sowie im Gemüsesaatgutbereich. Mittlerweile haben wir unsere Forschungsaktivitäten auch auf Getreide und Sojabohnen als neue Kernkulturen ausgedehnt. Im Fokus unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten stehen die agronomischen Eigenschaften dieser Kulturen. Unsere Forscher arbeiten an der Steigerung der Ertragskraft von Nutzpflanzen und der Erhöhung der Pflanzenqualität z. B. durch veränderte Rapsölprofile oder optimierte Baumwoll-Faserqualitäten. Darüber hinaus entwickeln wir Pflanzen, die eine hohe Toleranz gegenüber Stressfaktoren wie extremen Temperaturen und Trockenheit aufweisen. Weitere Schwerpunkte bestehen darin, neue Herbizidtoleranzen auf der Basis alternativer Wirkmechanismen zu entwickeln sowie die Resistenz gegenüber Insekten und Pflanzenkrankheiten zu verbessern. Dabei werden moderne Züchtungsverfahren eingesetzt, zu denen auch Methoden der Pflanzenbiotechnologie gehören. Unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline im Bereich der Ackerkulturen umfasst gegenwärtig mehr als 60 Leitprojekte und wird durch rund 90 laufende Forschungsvereinbarungen mit öffentlichen und privaten Partnern ergänzt.
Im Jahr 2011 haben wir die Hornbeck Seed Company, Inc., USA, übernommen und das Raps-Saatgutgeschäft der Raps GbR, Deutschland, akquiriert. Darüber hinaus haben wir wichtige Partnerschaften geschlossen. Dazu gehören unter anderem ein weltweites Lizenzabkommen über eine Herbizidtoleranz-Eigenschaft (Trait) der Rapskultur Canola mit DuPont, USA, sowie eine Lizenz- und Kooperationsvereinbarung mit RAGT Semences S.A.S., Frankreich, die uns Zugang zu Winterweizen-Zuchtmaterial gewährt.
Das Geschäftswachstum im Bereich BioScience wird durch die Einführung neuer Sorten und Pflanzeneigenschaften unterstützt. Dazu zählen vor allem:
Unser Baumwollsaatgut FiberMax™ ist seit 2011 in den USA auch mit unserer eigenen Glyphosat-Herbizidtoleranz-Technologie GlyTol™ erhältlich. Zudem bieten wir erstmals in der Baumwollindustrie zwei Produkte an, in denen Herbizidtoleranz-Technologien kombiniert werden. Diese enthalten sowohl die GlyTol™- als auch die LibertyLink™-Technologie.
Für 2012 ist die Markteinführung von konventionellem Rapssaatgut in Europa geplant. Ebenfalls 2012 wollen wir mit neuen Sojabohnensorten in den USA und Brasilien unser Angebot in dieser Kernkultur weiter ausbauen.
Zudem planen wir, 2013 eine neue Kombination von Insektenresistenz- sowie Herbizidtoleranz für Baumwolle anzubieten. Diese enthält dann erstmalig sowohl die TwinLink™- als auch die GlyTol™-Technologie. Für Raps ist im gleichen Jahr die Einführung einer neuen Hybridsaatgutlinie in Australien vorgesehen.
Unter der Marke Arize™ ist die Vermarktung zahlreicher neuer Hybridreissorten mit verbesserten Stress- und Insektenresistenzeigenschaften ab 2014 geplant.
Ab 2015 wollen wir Sojabohnen-Erzeugern in Nordamerika ein wegweisendes herbizidtolerantes Saatgut mit einer neuen Wirkungsweise anbieten. Dieses ist sowohl tolerant gegen Isoxaflutole- als auch Glyphosat-Herbizide und wird ein wichtiges Instrument zum Resistenzmanagement bieten.
Neue Nunhems™-Gemüsesaatgutsorten bringen wir kontinuierlich auf den Markt – im Jahr 2011 waren es rund 70. Auch für 2012 wird eine vergleichbare Anzahl an Innovationen erwartet.
Environmental Science testet und beurteilt Substanzen, die im Bereich Crop Protection sowie mit externen Partnern entwickelt wurden, hinsichtlich einer möglichen Anwendung außerhalb der Landwirtschaft. Zu den aktuellen Entwicklungsprojekten gehören Gele und Köder gegen Schadinsekten, Herbizide, Fungizide, biologische Lösungen sowie Mittel gegen krankheitsübertragende Insekten.
2011 wurden weitere wichtige Meilensteine wie die Markteinführung von LifeNet™-Mückennetzen in den ersten Ländern erreicht. Durch die Einführung neuer Produkte konnte in den USA unser Portfolio in den Segmenten Garten und Landschaftspflege sowie Vegetationsmanagement verstärkt werden. Mit Nortica™ wurde im Juni 2011 ein Produkt mit einem Wirkprinzip biologischer Herkunft eingeführt, durch das das Wurzelwachstum sowie die Widerstandsfähigkeit von Rasen verbessert werden kann. Ebenfalls in den USA wurden mehrere Herbizide erstmalig vermarktet, die auf dem neu zugelassenen Wirkstoff Indaziflam beruhen und zur Unkrautkontrolle auf Golf- und Sportplätzen bzw. auf Schienen- und Straßennetzen eingesetzt werden. Auch im nächsten Jahr planen wir die Einführung weiterer neuer Herbizide für professionelle Anwender. Im Endverbraucher-Geschäft (Bayer Garden™/Bayer Advanced™) konnte die Natria™-Produktlinie auf Basis natürlicher bzw. der Natur entlehnter Wirkstoffe weiter ausgebaut und in weiteren europäischen Märkten eingeführt werden.

MaterialScience

MaterialScience wandte im vergangenen Jahr 237 Mio € (Vorjahr: 231 Mio €) für Forschung und Entwicklung auf (Angabe ohne Kosten gemeinsamer Entwicklungsprojekte mit Kunden). Damit entfielen auf MaterialScience rund 8,1 % der konzernweiten Forschungs- und Entwicklungskosten. Für den Teilkonzern selbst lag die Forschungskostenquote bei 2,2 % vom Umsatz.
Mit Aufgaben im Bereich Forschung und Entwicklung waren rund 1.000 Mitarbeiter betraut. Ein Teil von ihnen arbeitet in dem 2011 erweiterten Polymer Research & Development Center in Shanghai (China), das eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Produkte für den asiatischen Markt und dem Ausbau der technischen Expertise in der Region spielt. Gleichzeitig sollen durch diese lokale Präsenz die Forschungsaktivitäten enger mit den Kunden in den Wachstumsregionen verknüpft werden.
In der Business Unit Polyurethanes werden Anwendungsgebiete unserer Produkte gezielt erweitert und deren Eigenschaften weiter verbessert. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die Bauindustrie, wo Hartschaum auf Basis von Polyurethanen als hocheffizienter Dämmstoff zum Schutz gegen Kälte und Hitze dient und damit einen Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs und zum Schutz des Klimas leistet. Bei der Weiterentwicklung der Materialien zielen wir vor allem darauf ab, die Dämmeigenschaften zu verbessern und den Flammschutz weiter zu optimieren.
Polyurethane werden zudem in der alternativen Energieerzeugung eingesetzt. Hier arbeiten wir an Verwendungsmöglichkeiten des Werkstoffs in der Wind-, Sonnen- und Wellenenergie. Die vielseitigen Eigenschaften von Polyurethanen ermöglichen, das Potenzial erneuerbarer Energiequellen zu steigern und die Kosten ihrer Erschließung zu senken. Mögliche Vorteile im Vergleich zu den aktuell eingesetzten Materialien zeigen neu entwickelte Polyurethansysteme im Bereich der mechanischen Festigkeit und der verbesserten Produktivität.
Im Fokus steht ferner die Verwendung von Polyurethanen im Leichtbau. Bayer bietet bereits seit Jahren Lösungen auf Basis üblicher Kompositmaterialien wie Glasfasern, Mineralien und Naturfasern an. Zusätzlich arbeiteten wir an besonders leistungsfähigen Verbundwerkstoffen auf Basis anderer Materialien wie z. B. Kohlenstoff-Fasern, die in der Automobilindustrie erheblich zur Gewichtsverringerung und damit zu reduziertem Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen beitragen. Sie sind aber auch für andere Anwendungsbereiche z. B. in der Bauindustrie und im Transportwesen geeignet.
Auf dem Gebiet der Prozessentwicklung konzentrieren wir uns auf die weitere Steigerung der Effizienz, um so auch zur langfristigen Sicherung unserer Kostenführerschaft beizutragen. Im Fokus liegt die Herstellung der nötigen Rohstoffe für Polyurethane mit möglichst geringem Energieaufwand und Ausstoß an Treibhausgasen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir auch zunehmend an der Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen und dem Einsatz von Kohlendioxid als Baustein für Polymere. Anfang 2011 wurde so zum Beispiel am Standort Leverkusen eine weltweit einzigartige Pilotanlage in Betrieb genommen, um mithilfe von CO2 Polyetherpolycarbonatpolyole (PPP) herzustellen, einen Ausgangsstoff für Polyurethane.
In der Business Unit Polycarbonate liegt das Hauptgewicht auf der Entwicklung spezieller Produkte für neue Anwendungen, die sich beispielsweise durch geringeres Gewicht, höhere Sicherheit und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten auszeichnen.
Unsere Forschungsaktivitäten basieren auf drei Kernelementen:
Im Rahmen von „Focused Innovation“ konzentrieren wir unsere Ressourcen auf Kernanwendungsbereiche wie den Automobilbau und die IT-Industrie, für die wir unsere Materialien stetig weiterentwickeln. Zudem orientieren wir uns auf stark wachsende Anwendungsbereiche wie die solare Energieerzeugung. Durch „Open Innovation“ verfolgen wir das Ziel, neue Lösungen in Kooperation mit externen Partnern zu entwickeln. Das Element „Global Innovation“ sichert eine intensive Unterstützung unserer weltweiten Entwicklungsaktivitäten durch die Forschungs- und Entwicklungszentren für Produkt- und Anwendungsentwicklung in Leverkusen (Deutschland) und Shanghai (China).
Mit dieser Strategie konzentrieren wir uns auf ausgewählte Entwicklungsgebiete. Dazu gehören Polycarbonat-Verscheibungen und andere Leichtbau-Lösungen für den Verkehrssektor, LED-Beleuchtungsmanagement (z. B. Straßenbeleuchtung), Sicherheitsanwendungen (z. B. Sicherheitsverscheibungen) sowie die Verbesserung der Kosteneffizienz bei Fertigungsprozessen. Wichtig ist uns auch die Weiterentwicklung besonders umweltfreundlicher Produkttypen. Hierzu zählen flammgeschützte Materialien mit dem Umweltzeichen der Europäischen Union oder Polycarbonat-Mischungen, die wiederaufbereitete Altkunststoffe oder biobasierte Stoffe enthalten.
In der Business Unit Coatings, Adhesives, Specialties treiben wir Entwicklungen von Polyurethan-Rohstoffen für hochwertige Lacke, Kleb- und Dichtstoffe voran. So ermöglichen wir mit unseren Polyaspartic-Systemen nachhaltige und effiziente Beschichtungen etwa für Böden, Rotorblätter von Windkraftanlagen oder Großfahrzeuge. Diese Bereiche verzeichnen anhaltend ein starkes Marktwachstum. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung von umweltfreundlichen Systemen, die wasser- statt lösemittelbasiert sind oder mittels UV-Strahlung effizient ausgehärtet werden können. Ein Beispiel für die Erschließung neuer Marktsegmente ist eine innovative Technik, um Parkett vor Ort zu beschichten. Dank UV-Härtung kann der Boden bereits in kürzester Zeit wieder betreten werden.
Zudem hat MaterialScience zusammen mit dem Industriepartner KAST Deutschland und dem Institut für Massivbau und Baustofftechnologie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Erdbebenschutz EQ-Top™ für Wohnhäuser und Bürogebäude entwickelt. Dabei wird ein Glasfasergewebe mit einem wasserbasierten Bayer-Spezialklebstoff kombiniert. Das System verleiht dem Mauerwerk hohe Festigkeit und ist so einfach aufzubringen wie eine Tapete.
Auf dem Gebiet der Kosmetik, in dem wir Vorprodukte für Gesichts- und Körperpflege, Haar-Styling oder Sonnenschutz entwickeln, erfüllt die neue Produktlinie Baycusan™ wichtige Anforderungen wie z. B. die Verwendung „grüner“ Rohstoffe (lösemittelfreie Formulierungen).
Im Bereich der funktionalen Folien (Functional Films) stehen zum einen Folien auf Basis von Polycarbonat bzw. thermoplastischem Polyurethan im Mittelpunkt. Durch die Kombination mit zusätzlichen Oberflächentechnologien und die Veränderung von Materialeigenschaften entstehen multifunktionale oder holographische Folien. Dies eröffnet neue Anwendungsfelder in attraktiven Bereichen wie 3-D-Flachbildschirmen oder flexiblen Displays. Zum anderen konzentrieren wir uns auf das Thema elektroaktive Polymere (EAP) als Plattformtechnologie. Unsere Forschungsarbeit gilt vor allem Polymer-Folien, auf deren Basis wir mit Industriepartnern alternative Motor- und Generatorkonzepte entwickeln. Mit der Übernahme des US-Unternehmens Artificial Muscle, Inc., USA, im Jahr 2010 haben wir unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet weiter gestärkt. Als erstes EAP-Folienprodukt haben wir 2011 unter dem Markennamen ViviTouch™ eine neue Anwendung auf den Markt gebracht, die bei elektronischen Spielen für eine spezielle taktile Rückmeldung sorgt.

Bayer Technology Services

Bei technologischen Lösungen, insbesondere in den Bereichen der Prozesstechnologie, dem Anlagenbau, der Automatisierung und der Produktentwicklung, arbeiten alle Teilkonzerne weltweit eng mit unserer Servicegesellschaft Bayer Technology Services zusammen. Die Servicegesellschaft entwickelt z. B. zusammen mit MaterialScience neue, energie- und rohstoffeffiziente Produktionsverfahren und unterstützt somit den Teilkonzern, seine Technologie- und Kostenführerschaft zu sichern. Beispiele sind das neue Produktionsverfahren zur Herstellung von TDI, das erstmals am MaterialScience-Standort in Shanghai eingesetzt wird, oder die katalysierte Umsetzung von Kohlendioxid zu Polymeren. Die zentrale Weiterentwicklung von teilkonzernübergreifenden Querschnittstechnologien – wie z. B. der Nano- und Biotechnologie oder des Know-hows auf dem Gebiet der mathematischen Simulation und der statistischen Datenanalyse – hilft HealthCare und CropScience, die Entwicklung von neuen Produkten zu verkürzen. Dazu gehören auch völlig neue Produktionskonzepte, die z. B. im Forschungszentrum INVITE, einer Kooperation von Bayer Technology Services und der Technischen Universität Dortmund, entwickelt werden.
http://www.geschaeftsbericht2011.bayer.de/de/forschung-und-entwicklung.aspx

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Letzte Änderung: 28. Februar 2012

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