Lagebericht
4.4 Wertorientierte Konzernsteuerung
Cash Value Added als Grundkonzept
Ein vorrangiges Ziel des Bayer-Konzerns ist die nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts. Zur Planung, Steuerung und Kontrolle unserer Geschäfte verwenden wir daher ein konzernweites Wertmanagementsystem. Eine wichtige wertorientierte Steuerungsgröße ist der Cash Value Added (CVA). Der CVA gibt an, inwieweit sowohl die Eigen- und Fremdkapitalkosten als auch der Werteverzehr, d. h. die Abnutzung der Anlagen, verdient werden konnten. Ist er positiv, so hat das Unternehmen bzw. die jeweilige Geschäftseinheit die Mindestanforderungen übertroffen. Ist er negativ, konnten die erwarteten Kapitalkosten sowie der Werteverzehr nicht erwirtschaftet werden. Der CVA ist eine einperiodische Kennziffer. Für eine dynamische, d. h. mehrperiodische Betrachtung setzen wir daher den Delta Cash Value Added (Delta CVA) ein. Der Delta CVA gibt die Veränderung des CVA gegenüber der Vorperiode an und stellt die zweite zentrale Steuerungsgröße im Wertmanagement dar. Ist er positiv, so konnte der Wert des Unternehmens gesteigert werden.
Die wertorientierten Kennzahlen unterstützen das Management in erster Linie bei strategischen Entscheidungen im Hinblick auf die Optimierung des Portfolios sowie bei der Ressourcenallokation für Akquisitionen und Investitionen. Auf operativer Ebene stehen Werttreiber mit Fokus auf Wachstum (Umsatz), Kosteneffizienz (EBITDA) und Kapitaleffizienz (Working Capital, Investitionsausgaben) im Mittelpunkt, da diese die Wertschaffung unmittelbar beeinflussen.
Kapitalkostenbestimmung
Die Kapitalkosten werden bei Bayer als gewichteter Durchschnitt der Eigen- und Fremdkapitalkosten zum Jahresbeginn berechnet (WACC = Weighted Average Cost of Capital). Die Eigenkapitalkosten werden als Renditeerwartung der Aktionäre aus Kapitalmarktinformationen abgeleitet. Als Fremdkapitalkosten legen wir die Finanzierungskonditionen einer zehnjährigen Euro-Anleihe von Industrieunternehmen mit einem Kreditrating „A-” zugrunde.
Um den unterschiedlichen Rendite-/Risikoprofilen unserer Tätigkeitsschwerpunkte Rechnung zu tragen, berechnen wir für unsere Teilkonzerne individuelle Kapitalkostensätze nach Ertragsteuern. Sie blieben gegenüber 2010 unverändert und betrugen für HealthCare 8,1 %, für CropScience 7,5 % sowie für MaterialScience 7,1 %. Für den Konzern ergab sich wie im Vorjahr ein Verzinsungsanspruch von insgesamt 7,8 %.
Brutto-Cashflow, Cash Value Added und Cash Flow Return on Investment als Erfolgsmaßstäbe
Der Brutto-Cashflow ist das Maß für unsere Innenfinanzierungskraft und leitet sich direkt aus der Kapitalflussrechnung ab. Bayer hat sich für den Einsatz einer Cashflow-Größe entschieden, da auf diese Weise bilanzielle Einflüsse reduziert werden und sich so die Aussagekraft der Kennzahl zur Performance-Messung erhöht.
Unter Berücksichtigung der Kapitalkosten und der Reproduktion des abnutzbaren Anlagevermögens ermitteln wir die Brutto-Cashflow-Hurdle. Wird die Brutto-Cashflow-Hurdle erreicht oder übertroffen, ist der CVA positiv und damit die Verzinsung von Eigen- und Fremdkapital sowie die Anlagen-Reproduktion sichergestellt.
Die Rentabilität des Konzerns bzw. der einzelnen Geschäftseinheiten wird anhand des Cash Flow Return on Investment (CFRoI) gemessen. Er berechnet sich als Verhältnis des Brutto-Cashflow zum eingesetzten Kapital, dem sogenannten Investitionswert. Der Investitionswert ist aus der Bilanz abgeleitet und setzt sich grundsätzlich aus unseren betriebsnotwendigen Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten zu Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie unserem Working Capital nach Abzug von zinslosem Fremdkapital (z. B. kurzfristigen Rückstellungen) zusammen. Um Schwankungen des Investitionswerts zu reduzieren, ermitteln wir für unsere Renditeberechnung einen Durchschnittswert für das jeweilige Jahr.
Für das Geschäftsjahr 2011 lag die CFRoI-Mindestverzinsung bei 10,0 % (Vorjahr: 10,0 %), die entsprechende Brutto-Cashflow-Hurdle bei 4.339 Mio € (Vorjahr: 4.384 Mio €).
Mit einem Brutto-Cashflow von 5.172 Mio € haben wir die Brutto-Cashflow-Hurdle um 19,2 % übertroffen. Die Kapitalkosten und die Reproduktion konnten wir somit im abgelaufenen Jahr vollständig verdienen. Der positive CVA von 833 Mio € besagt darüber hinaus, dass Bayer im abgelaufenen Geschäftsjahr die Mindestanforderungen an Verzinsung und Reproduktion übertroffen hat und eine Prämie auf das eingesetzte Kapital verdient hat. Bei einem CVA im Geschäftsjahr 2010 von 387 Mio € ergibt sich im Konzern ein positiver Delta Cash Value Added von 446 Mio €. Damit konnte die Wertschaffung im Vorjahresvergleich deutlich erhöht werden. Die Konzernrendite (CFRoI) erreichte im Jahr 2011 11,9 % (Vorjahr: 10,9 %).
HealthCare und CropScience haben den Verzinsungsanspruch einschließlich Reproduktion übertroffen. MaterialScience lag hingegen um 94 Mio € unter der Brutto-Cashflow-Hurdle. Der CFRoI von HealthCare betrug 14,3 % (Vorjahr: 12,8 %). CropScience erzielte einen CFRoI von 10,3 % (Vorjahr 5,9 %). MaterialScience lag mit einem CFRoI von 9,2 % unter Vorjahr (Vorjahr: 11,0 %).
| Wertmanagement-Kennzahlen pro Teilkonzern | [Tabelle 3.16] |
|---|
| | HealthCare | CropScience | MaterialScience | Konzern |
| | 2010 | 2011 | 2010 | 2011 | 2010 | 2011 | 2010 | 2011 |
| | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € |
| Brutto-Cashflow* (BCF) | 2.948 | 3.254 | 546 | 900 | 1.058 | 939 | 4.771 | 5.172 |
| Brutto-Cashflow-Hurdle | 2.291 | 2.205 | 881 | 857 | 973 | 1.033 | 4.384 | 4.339 |
| Cash Value Added (CVA) | 657 | 1.049 | -335 | 43 | 85 | -94 | 387 | 833 |
Delta Cash Value Added (Delta CVA) | -238 | 392 | -556 | 378 | 726 | -179 | 9 | 446 |
Cash Flow Return on Investment (CFRoI) | 12,8 % | 14,3 % | 5,9 % | 10,3 % | 11,0 % | 9,2 % | 10,9 % | 11,9 % |
| CFRoI-Hurdle | 9,9 % | 9,7 % | 9,4 % | 9,5 % | 10,6 % | 10,4 % | 10,0 % | 10,0 % |
| ø Investitionswert (ø IW) | 23.022 | 22.757 | 9.189 | 8.772 | 9.589 | 10.157 | 43.622 | 43.348 |
| * Zur Definition siehe Kapitel 4.5 „Finanzlage und Investitionen Bayer-Konzern“. |